Sexualisierte Gewalt gilt öffentlich weitgehend als illegitim. Im Kontrast dazu stehen die Alltäglichkeit und Verbreitung von sexualisierter Gewalt, insbesondere in Familien und im sozialen Nahbereich sowie in öffentlichen Institutionen, Freizeit-, Bildungs- und Arbeitsorten. Aktuelle Forschung zeigt zudem, dass thematisierte Fälle von sexualisierter Gewalt häufig nicht betroffenenorientiert aufgearbeitet werden. Vor diesem Hintergrund versammelt der Band Beiträge von internationalen Autor:innen, die sich aus verschiedenen disziplinären Blickwinkeln mit dem Phänomen der (Un-)Vorstellbarkeit sexualisierter Gewalt in den eigenen sozialen und professionellen Kontexten befassen. Es werden Studien zu Erfahrungen mit der Thematisierung von sexualisierter Gewalt aus den Perspektiven von Betroffenen/Survivors, Angehörigen und institutionellen Akteur:innen dargestellt sowie methodologische Zugänge zur Erklärung des Phänomens erörtert. Ziel ist es, die Abwehr der Vorstellung von sexualisierter Gewalt im nahen Umfeld analytisch präziser zu fassen und die Diskussion um betroffenenorientierte Aufarbeitung weiter auszudifferenzieren.
Die Herausgeber:innen
Svenja Bluhm
promoviert zu Kinderschutz, Gewalt und Aufarbeitung.
Tabea Koepp
ist promovierte Soziologin und arbeitet bei Dissens - Institut für Bildung und Forschung e.V. zur Aufarbeitung sexualisierter Gewalt.
Friederike Lorenz-Sinai
ist Professorin für Antisemitismusforschung am Institut für Rechtsextremismusforschung (IRex) der Universität Tübingen und forscht zu Gewalt in Institutionen und Antisemitismus.
Korinna McRobert
promoviert mit einem autoethnographischen Ansatz zur Verkörperung sexueller Gewalt.
Meike Wittfeld
ist promovierte Erziehungswissenschaftlerin und arbeitet zu Fragen von Kinderschutz und Gewalt gegen Kinder und Jugendliche.