Nikolai Gogol: Gesammelte Werke versammelt ein erzählerisches und dramatisches Ouvre, in dem ukrainische Volkserzählung, Petersburger Bürokratensatire und metaphysische Groteske ineinandergreifen. Von den volkstümlich-phantastischen Geschichten der Abende auf dem Weiler bei Dikanka über Die Nase und Der Mantel bis zu Der Revisor und Die toten Seelen entfaltet Gogol eine Prosa von komischer Präzision, sprachlicher Übersteigerung und unheimlicher sozialer Diagnose. Im literarischen Kontext markiert dieses Werk den Übergang von romantischer Imagination zu russischem Realismus, ohne je das Absurde preiszugeben. Gogol, 1809 in der Ukraine geboren und im kulturellen Spannungsfeld des Russischen Reiches wirkend, kannte die Provinz, die Hauptstadt und die Mechanik der Amtsstuben aus eigener Erfahrung. Seine Herkunft, sein Blick für mündliche Erzähltraditionen, seine Tätigkeit in Petersburg sowie seine religiösen und moralischen Krisen prägten eine Literatur, die Lachen und Erschrecken untrennbar verbindet. Hinter der Farce steht bei ihm stets die Frage nach geistiger Leere, sozialer Maskerade und menschlicher Verfehlung. Diese Ausgabe ist Lesern zu empfehlen, die die Grundlagen der modernen russischen Literatur verstehen wollen. Gogols Werke bleiben wegen ihrer formalen Kühnheit, ihrer satirischen Schärfe und ihrer existenziellen Komik unverzichtbar.